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Zu unserem Unternehmensstart wurde im "Höchster Kreisblatt", einer Regionalausgabe der "Frankfurter Neuen Presse" von Mathias Geiß ein Artikel geschrieben. Er erschien am 22.8.2000:
Hanf-Handel auf der Daten-Autobahn
Niederhöchstadt. Möglich, dass es ohne Hanf noch viel länger gedauert hätte, bis ein Seefahrer Amerika entdeckt hätte - es gab seinerzeit keine Faser, der als Segel oder Tau vergleichbar belastbar war. Auch Gutenberg druckte einst seine Bibel auf Hanffasern; selbst die Mona Lisa lächelt geheimnisvoll von einer Hanfleinwand. Die Ägypter schon schätzten den Hanf, die ältesten Hanffunde in Deutschland stammen aus Thüringen und werden auf etwa 5500 Jahre vor Christus datiert. Doch seine herausragende Bedeutung hat Hanf inzwischen verloren. 1982 wurde der Anbau in Deutschland verboten; erst seit 1996 ist in Deutschland wieder erlaubt, den so genannten Faserhanf anzupflanzen - allerdings nur für Landwirte mit Sondergenehmigung, die zudem streng überwacht werden. Der Grund liegt auf der Hand: die berauschende Wirkung, die von der Blüte der weiblichen Pflanze ausgeht und dem Hanf wahrlich kein gutes Image einbrachte - die Namen Haschisch oder Cannabis sind vielen eher bekannt.

Dadurch gerieten die guten Seiten der vielseitig einsetzbaren Pflanzen fast in Vergessenheit. Der Niederhöchstädter Benjamin Richter hat sie wieder entdeckt und will sich dadurch eine berufliche Existenz aufbauen. Doch nicht nur das Produkt, auch der Vertriebsweg ist ungewöhnlich. Ausschließlich über das Internet werden Hanfsamen und Hanföl verkauft. Wer unter "www.powercorn.de" Richters Seite anklickt, kann per E-Mail ordern. Doch noch gar nicht lange: Erst seit Freitag ist sein "Hanf-Laden" online vertreten. Rechtzeitig zur "Hanf-Parade" in Berlin, wo am Samstag mehr als 10 000 Menschen in Berlin feierten.
Richter war mit vier Mitstreitern ebenfalls dort, um auf sein junges Unternehmen aufmerksam zu machen. Allerdings gehörten die Teilnehmer weniger zu seiner Zielgruppe, wie auch der Niederhöchstädter feststellen musste, denn denen ging es hauptsächlich um die Legalisierung der Droge, und damit haben die Produkte Richters gar nichts zu tun. "Einer brachte mir eine Tüte mit Hanfsamen zurück, weil er nicht wusste, wie er sie rauchen sollte", erzählt Richter lachend. Die positiven Auswirkungen von Hanfsamen seien vielen gar nicht bekannt. Bei Neurodermitis oder auch Hormonstörungen bei Frauen - wie das Pre-menstruelle Syndrom (PMS) - können die Fettsäuren der Hanfsamen helfen.
Den Hanfsamen bezieht Richter aus der Nähe von Stuttgart; seinen Vertrieb macht der BWL-Absolvent aus den eigenen Kellerräumen. Dort werden die Samen eingetütet und auch verschickt. Auch wenn das Publikum in Berlin nicht ganz seinen Erwartungen entsprach, so zeigt das Verteilen von 8000 Werbezetteln (aus Hanfkarton) dennoch seine Wirkung. Etwa 80 bis 90 Anfragen seien bis gestern eingegangen. Um davon leben zu können, müssten es freilich noch mehr werden. Etwa 200 Bestellungen täglich, so schätzt Richter, würden reichen, um seiner jungen Firma ein Überleben zu sichern. Er ist aber zuversichtlich: "Denn Hanfsamen bringt erst etwas, wenn man ihn regelmäßig zu sich nimmt."
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